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Vogelsberg - Faszination einer Landschaft Apokalypse?

Inka G. Kellermann: Das Theater ist vorbei. - Acryl/Leinwand - 50 x 50 cm
Der Nachmittag
Schnell hat das Land sich verändert. Die Bäume baden im Laub, der Himmel ist nah, die Erde hat ein altes Gesicht, schräg fließt das Licht über Felder. Ich parke am Dorfrand und gehe bergan.
Eine Frau ohne Kopf ohne Körper bei den Klippen im Wald Wind heult durch die lebenden, die toten Bäume Der Regen experimentiert. Haushoch türmen sich basaltgraue Brocken von Wurzeln umschlungen vom Sturz gespalten von Moos bedeckt. Wo die Landschaft sich öffnet weit über Täler und Berge Wälder, Wiesen, kaum einmal ein Dorf, eine tote Gegend, sagt mein Freund aus der Stadt
und da jagt die Frau ohne Körper umjubelt vom Laub treibt die Sauen, lockt die Raben flitzt den Steilhang hinauf knackend, ein Häher applaudiert schlüpft in die Spalten der Felsen aus denen sie wimmert und ich folge ihr kopflos mit Schrammen an Beinen und Armen die Hände um das Objektiv der Kamera gefaltet in der der Film längst zu Ende ist. Der Wind droht heftig mit den Buchenfingern es rauscht wie das Meer oder die Südtangente Geheimnisvoll schwarz schimmern die Ritzen im Stein Blöcke am Abgrund als stürzten sie gleich auf mich los und ich suche und irre bis ich die Lust verliere und die Kraft.
Still ist es plötzlich kein Rauschen, kein Knacken kein Vogelruf gelassen schauen die Felsen auf das schlafende Dorf hinab die Wolken verharren Der Himmel ist in das Weltall eingegraben eine Radierung ich wende den Kopf die Steilwand hinauf und sehe die Frau ohne Kopf ohne Körper umschlossen von Stein mir wird kalt.
Der Weg in das Dorf ist steil tief eingegraben in den Hang von Mauern gestützt und eine Kirche dient mit sicherer Wehr ein Mann auf der Gasse schaut mich an, als sei ich ohne Körper die Furchen in seinem Gesicht erinnern mich
Im Wirtshaus herrscht Schweigen zum Ticken der Wanduhr und dem Zischen des Bierhahns Nur selten ein Wort ein fremdes. Über den Tischen hängt ein Bild aus den Alpen zu wessen Täuschung?
Ich frage die Männer nach dem Steilhang oben im Wald und sie sehen sich an. Sie verleugnen ihn nicht Einer sagt: Der gehört uns. Eine Frau mit massigem Körper bedient und lächelt in mein fragendes Gesicht Natürlich, wir leben doch hier alle Tage.
Ich fahre in anderer Richtung aus dem Dorf in das Tal an einer Gießerei vorbei, wo die Bauern ihr Geld verdienen wo sie aus argentinischem Erz Maschinenteile formen Glut zu leblosen Körpern in ihren Pausen bei Tee und Brot schaun sie einander an mit ihren zerfurchten Gesichtern während die Schlacke erkaltet
Martin Krauss
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