VoPo.de - Das Portal zum Vogelsberg

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Gut und Böse, Licht und Finsternis, Entstehen und Vergehen kann ein apokalyptischer Dualismus sein.

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VOGELSBERGPORTAL: DER NATURPARK

 

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Vogelsberg - Faszination einer Landschaft
Apokalypse?

  

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Inka G. Kellermann: Das Theater ist vorbei. - Acryl/Leinwand - 50 x 50 cm

 


 

  

Der Nachmittag

Schnell hat das Land sich verändert.
Die Bäume baden im Laub,
der Himmel ist nah,
die Erde hat ein altes Gesicht,
schräg fließt das Licht über Felder.
Ich parke am Dorfrand
und gehe bergan.

Eine Frau ohne Kopf ohne Körper
bei den Klippen im Wald
Wind heult durch die lebenden, die toten Bäume
Der Regen experimentiert.
Haushoch türmen sich basaltgraue Brocken
von Wurzeln umschlungen
vom Sturz gespalten
von Moos bedeckt.
Wo die Landschaft sich öffnet
weit über Täler und Berge
Wälder, Wiesen, kaum einmal ein Dorf,
eine tote Gegend, sagt mein Freund aus der Stadt

und da jagt die Frau ohne Körper
umjubelt vom Laub
treibt die Sauen, lockt die Raben
flitzt den Steilhang hinauf
knackend, ein Häher applaudiert
schlüpft in die Spalten der Felsen
aus denen sie wimmert
und ich folge ihr kopflos
mit Schrammen an Beinen und Armen
die Hände um das Objektiv der Kamera gefaltet
in der der Film längst zu Ende ist.
Der Wind droht heftig mit den Buchenfingern
es rauscht wie das Meer
oder die Südtangente
Geheimnisvoll schwarz
schimmern die Ritzen im Stein
Blöcke am Abgrund
als stürzten sie gleich auf mich los
und ich suche und irre
bis ich die Lust verliere
und die Kraft.

  

Still ist es plötzlich
kein Rauschen, kein Knacken
kein Vogelruf
gelassen schauen die Felsen
auf das schlafende Dorf hinab
die Wolken verharren
Der Himmel ist in das Weltall eingegraben
eine Radierung
ich wende den Kopf
die Steilwand hinauf
und sehe die Frau
ohne Kopf ohne Körper
umschlossen von Stein
mir wird kalt.

Der Weg in das Dorf ist steil
tief eingegraben in den Hang
von Mauern gestützt
und eine Kirche dient mit sicherer Wehr
ein Mann auf der Gasse
schaut mich an, als sei
ich ohne Körper
die Furchen in seinem Gesicht
erinnern mich

Im Wirtshaus herrscht Schweigen
zum Ticken der Wanduhr
und dem Zischen des Bierhahns
Nur selten ein Wort
ein fremdes.
Über den Tischen
hängt ein Bild aus den Alpen
zu wessen Täuschung?

Ich frage die Männer
nach dem Steilhang
oben im Wald
und sie sehen sich an.
Sie verleugnen ihn nicht
Einer sagt: Der gehört uns.
Eine Frau mit massigem Körper
bedient und lächelt
in mein fragendes Gesicht
Natürlich, wir leben doch hier
alle Tage.

Ich fahre in anderer Richtung
aus dem Dorf in das Tal
an einer Gießerei vorbei,
wo die Bauern ihr Geld verdienen
wo sie aus argentinischem Erz
Maschinenteile formen
Glut
zu leblosen Körpern
in ihren Pausen
bei Tee und Brot
schaun sie einander an
mit ihren zerfurchten Gesichtern
während die Schlacke
erkaltet

 


Martin Krauss

 

 

 

 

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